6 Dinge, die Sie über Teilzeitarbeit in Deutschland wissen müssen

Die Niederlande sind Vorreiter in Europa, wenn es um Teilzeitarbeit geht. Etwa die Hälfte aller Arbeitnehmer im Jahr 2018 war in Vollzeit beschäftigt, die andere Hälfte in Teilzeit, schreibt das Statistische Zentralamt. Dieses Verhältnis ist einzigartig in Europa. Auf Platz 2 in Deutschland arbeiteten im selben Jahr „nur“ 22 % Teilzeit, schreibt die Rheinische Post. Auch die Partei Die Linke macht sich Sorgen um Teilzeitbeschäftigte. „Für Teilzeitbeschäftigte ist die Armutsgefahr älterer Menschen größer“, wird die Partei von der Zeitung zitiert. „Das liegt daran, dass sie weniger in Pensionskasse und Sozialversicherung einzahlen.“

Deshalb ist es interessant zu schauen, worauf Sie bei Teilzeitarbeit achten sollten. Sowohl für niederländische Unternehmer mit Niederlassungen in Deutschland als auch für Niederländer, die in Deutschland in Teilzeit arbeiten. Rechtsanwältin (Rechtsanwältin in Deutschland) und Fachanwältin für Arbeitsrecht (Fachrichtung deutsches Arbeitsrecht) Anja Romijnders van STRICK Rechtsanwälte & Steuerberater aus Kleve hebt einiges hervor.

1. Wer in Teilzeit arbeitet, soll nicht benachteiligt werden

In Deutschland muss ein objektiv gültiger Grund für die Gültigkeit eines Vertrages für einen bestimmten Zeitraum vorliegen. Dies ist beispielsweise dann möglich, wenn eine Aufgabe nur für einen bestimmten Zeitraum ausgeführt werden kann oder ein Mitarbeiter vorübergehend einen Kollegen vertritt. Mit diesem Gesetz können Sie auch einen befristeten Arbeitsvertrag abschließen. Die Liste im Gesetz ist nicht erschöpfend; es können andere objektive Gründe für eine Fristsetzung vorliegen.

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Ein befristeter Arbeitsvertrag ohne sachlichen Grund darf maximal 2 Jahre dauern. Vor Ablauf dieser Frist kann der befristete Vertrag maximal dreimal verlängert werden. Befristete Arbeitsverträge müssen schriftlich abgeschlossen und vor Arbeitsantritt des Arbeitnehmers unterzeichnet werden. Eine Verlängerung muss ebenfalls schriftlich und ohne Unterbrechung erfolgen.

Für Teilzeitbeschäftigung gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für Vollzeitbeschäftigung. Ein Teilzeitbeschäftigter darf gegenüber einem Vollzeitbeschäftigten nicht benachteiligt werden. Möchte ein Arbeitnehmer, der die volle Stundenzahl hat, weniger arbeiten, kann dies nur verweigert werden, wenn dies unmittelbar nachteilige Folgen für das Unternehmen hat.

2. Teilzeitbeschäftigte sollten auch Steuern und Sozialversicherung zahlen

Wenn der Arbeitnehmer nur wenige Stunden am Tag arbeitet, hat er Anspruch auf mindestens 24 Urlaubstage (bei einer Sechstagewoche und 20 Tage bei einer Fünftagewoche). Diesen vollen Urlaub können Sie erst dann in Anspruch nehmen, wenn Sie seit mindestens sechs Monaten beschäftigt sind. Grundsätzlich steht Ihnen für jeden vollen Beschäftigungsmonat ein Zwölftel der Gesamtzahl der Jahresurlaubstage zu.Dies gilt nicht nur für Teilzeitbeschäftigte, sondern für alle Arbeitnehmer. Anders als in den Niederlanden ist das Urlaubsjahr das Kalenderjahr.

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Liegen dem Arbeitnehmer oder dem Unternehmen triftige Gründe vor, warum dies nicht möglich ist, kann der Urlaub auf das Folgejahr übertragen werden. In diesem Fall muss der Urlaub in den ersten 3 Monaten des Jahres genommen werden. Andernfalls erlischt der Anspruch auf diesen Urlaub. Dies gilt nicht, wenn sie krankheitsbedingt nicht zugelassen werden konnte. Eine Urlaubsvergütung wird nur gezahlt, wenn der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht in Anspruch genommen werden konnte.

Ist der teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer an zwei, drei oder vier Tagen in der Woche erwerbstätig, reduziert sich der Urlaubsanspruch anteilig. Bei einer Drei-Tage-Woche hätte der Arbeitnehmer beispielsweise nur 12 Tage gesetzlichen Urlaub pro Jahr.

3. Auch bei Teilzeitverträgen gilt eine normale Kündigungsfrist

Arbeitgeber müssen bei der Kündigung eines Arbeitnehmers einiges beachten. Unabhängig davon, ob die Initiative vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber ausgeht, muss der Vertrag immer schriftlich gekündigt werden. Eine Kündigung per Fax, App oder E-Mail ist nicht gestattet. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer darauf hinzuweisen, dass sich der Arbeitnehmer nach der Kündigung unverzüglich bei der Bundesagentur für Arbeit melden muss.

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Als Arbeitgeber müssen Sie eine Kündigungserlaubnis für Arbeitnehmer, Schwerbehinderte, Schwangere, Arbeitnehmer in Mutterschafts- oder Elternzeit oder pflegende Angehörige beantragen. Dies gilt auch für Betriebsratsmitglieder oder Arbeitnehmer, die sich zur Wahl in den Betriebsrat stellen wollen. Ob eine Kündigung rechtmäßig war, wird in Deutschland erst geprüft, wenn der Arbeitnehmer eine Klage einreicht.

Wenn kein Kündigungsschutz besteht, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen, es sei denn:

  • Dies entspricht nicht den bisherigen Versprechungen, oder
  • der Kündigungsgrund mit einem berechtigten Anspruch des Arbeitnehmers kollidiert, oder
  • die Kündigung verstößt gegen das deutsche Grundgesetz, oder
  • die Kündigung verstößt gegen das Diskriminierungsverbot oder
  • die Entlassung verstößt gegen die guten Sitten.

4. Kündigung muss sozialverträglich sein

Der Kündigungsschutz gilt für Arbeitnehmer, die:

  • vor dem 31. Dezember 2003 bei einem Unternehmen mit durchschnittlich mehr als fünf Beschäftigten in Deutschland tätig, in der Regel mindestens 6 Monate beschäftigt;
  • seit 1. Januar 2004 bei einem Unternehmen mit durchschnittlich mehr als zehn Beschäftigten in Deutschland tätig, die in der Regel seit mindestens 6 Monaten beschäftigt sind;

Bei Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes muss die Kündigung sozialverträglich erfolgen.Zum Beispiel; für diejenigen, die bereits seit zwei Jahren beschäftigt sind, gilt eine Kündigungsfrist von einem Kalendermonat. Dieser Begriff verlängert sich auf jemanden, der seit 20 Jahren beschäftigt ist. In diesem Fall gilt eine Frist von 7 Monaten bis zum Ende eines Kalendermonats.

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Umgekehrt gelten diese verlängerten Kündigungsfristen auch, wenn der Arbeitnehmer kündigen möchte und so vereinbart wurde.

5. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen

Bei einer Probezeit von bis zu sechs Monaten kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Auch die fristlose Kündigung muss schriftlich mitgeteilt werden. Es gibt jedoch einen sehr wichtigen Grund dafür. In der Regel ist vorab eine behördliche Abmahnung des Arbeitnehmers erforderlich. Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist hierfür beginnt in dem Moment, in dem der zuständige Vorgesetzte von den entlassungsrelevanten Tatsachen Kenntnis erlangt.

Der Arbeitgeber muss die Abmahnung schriftlich erteilen und in die Personalakte aufnehmen. Die Abmahnung muss die Gründe und das Verhalten, das zur Abmahnung geführt hat, sehr genau beschreiben. Je nach Schwere des Verstoßes kann eine zweite Abmahnung unnötig sein und eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Das deutsche Arbeitsrecht kennt keine absoluten Kündigungsgründe. Es werden jedoch Punkte genannt, die ein Arbeitgeber als „besonders wichtiger Grund“ anführen kann. Beispiele hierfür sind unerlaubte Aktivitäten von Wettbewerbern, Korruption, Beleidigungen des Arbeitgebers oder der Kunden. Dabei werden stets die Umstände des Einzelfalls berücksichtigt.

6. Kranke Mitarbeiter können in Deutschland gekündigt werden

Im Gegensatz zu den Niederlanden kann in Deutschland ein kranker Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen entlassen werden.