BNR Nieuwsradio – Warum Nordstream 2 ein heikles Thema bleibt

Hören Sie den Beitrag auf BNR Nieuwsradio über Nordstream 2 Die Vereinigten Staaten verhängen keine Sanktionen gegen das Unternehmen, das Nordstream 2 baut: die Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland. Die Entscheidung fällt auf: Die Amerikaner sind nach wie vor vehement gegen das Projekt, wollen aber das Verhältnis zu Deutschland nicht unter Druck setzen, heißt es. Wie groß ist die Erleichterung im politischen Berlin?

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Wie glücklich ist die deutsche Regierung? Merkel möchte den Nordstream 2 bauen?

Die Erleichterung ist groß, es gab eine sofortige Reaktion von Außenminister Heiko Maas von der SPD. Er bedankt sich dafür, dass „die Amerikaner gekommen sind, um Deutschland zu treffen“. Dabei interpretiert er die Position der Regierung, auch von Angela Merkel. Deutschland will diese Gaspipeline trotz der viel Kritik einerseits wegen der billigeren Energie. Andererseits sieht Deutschland darin auch ein Mittel, um gute Beziehungen zu Russland zu pflegen.

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Gab es vielleicht Druck aus Deutschland auf die Amerikaner?

Absolut. Unter Trump gingen die Amerikaner mit geradem Bein hinein, es war das wichtigste Dossier, das das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland auf ein Allzeittief brachte. Gegen bestimmte Unternehmen wurden Sanktionen angedroht, Deutschland warf den Amerikanern vor allem eigene Geschäftsinteressen vor. Die Regierung Biden ändert daher ihre Position nicht, sondern verzichtet nun hauptsächlich auf die Sanktionen, um die Verbindungen zu Deutschland wiederherzustellen. Das wird in Berlin sehr geschätzt.

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Wird das Projekt nun VOR der Bundestagswahl abgeschlossen sein? Wenn nicht, sollten diese Grünen gewinnen, wie würde sich die deutsche Sicht auf das Projekt von NordStream2 ändern?

Nein, es ist vor allem ein erster Schritt, um die diplomatischen Beziehungen zu verbessern. Minister Maas sagte bereits, dass der amerikanische Kongress in drei Monaten darüber diskutieren und diese Zeit nutzen werde, um die Pläne zu konkretisieren. Unter Trump gab es kein wirkliches Gespräch mit den Amerikanern, jetzt sind die Leitungen wieder offen. Und die Amerikaner werden auch wissen, dass die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl im September vermutlich eine zentrale Rolle spielen werden, so dass dieses Thema noch lange nicht vom Tisch ist. Die Grünen sind vehement gegen die Pipeline, weil es sich nicht um erneuerbare Energien handelt. Und sie wollen solche Geschäfte mit Russland im Kontext der Menschenrechte nicht machen. Es kann also in beide Richtungen gehen.

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Washington meint, Deutschland und die EU machen sich zu abhängig von Russland. Inwieweit ist das so?

Deutschland verbraucht im Energiemix rund 24 % des Erdgases. Etwa 40 % des Gases, das Deutschland importiert, kommt aus Russland (21 % aus den Niederlanden im Jahr 2019, und das wird natürlich in den kommenden Jahren auslaufen). Damit sind sie der weltweit größte Abnehmer von russischem Gas.Doch dank des Drucks der Amerikaner wächst auch in Deutschland das Bewusstsein, dass die Menschen weniger abhängig von den Russen sein wollen. Nicht umsonst will Deutschland auch in den kommenden Jahren Milliarden in nachhaltige Energie investieren. Die Debatte darüber wird daher auch bei den Wahlen wichtig bleiben, sowohl aus geopolitischer Sicht als auch wegen der Klimaziele

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