Europa belastet Arbeitgeber durch die Einführung einer Stechuhr mit zusätzlichem Verwaltungsaufwand

Der Europäische Gerichtshof hat ein Urteil erlassen, das Arbeitnehmern helfen soll. Bald müssen alle Arbeitgeber innerhalb der EU die volle Arbeitszeit ihrer Arbeitnehmer registrieren. Nur so könnten die Arbeitnehmerrechte garantiert werden, heißt es in dem Urteil.

Doch in vielen deutschen Medien gibt es viel Kritik. Es sei eine veraltete Aussage, sagt die Süddeutsche Zeitung in einem Kommentar. Und wie kompliziert das in der Praxis wird, erklärt der Sender ZDF: Was passiert abends mit geschäftlichen Telefonaten? Wie wäre es, draußen zu arbeiten oder E-Mails auf einem Laptop in einem Café zu beantworten? All diese Szenarien erfordern in Zukunft den Einsatz von Apps und anderen Registrierungsmethoden.

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Stechuhr schafft zusätzliche Bürokratie

Das Urteil kommt, da in ganz Europa Diskussionen über „neue Arbeit“ geführt werden. Flexible Arbeitszeiten, Arbeiten von zu Hause aus und ein Arbeitsumfeld, in dem Glück im Mittelpunkt stehen sollte. In dieser Welt sei die Einführung einer Stechuhr genauso sinnvoll wie der Einsatz von tipp-ex am Computer, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und doch kommt dieses Relikt aus der Maschinenhalle zurück. Deutschland werde „in Bürokratie ersticken“, prognostiziert Carsten Linnemann, Sprecher des Mittelstands bei der CDU, in derselben Zeitung.

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Bedeutet dies, dass Arbeitgeber bereits handeln sollten? Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs verpflichtet die Mitgliedsstaaten, Regelungen zu erarbeiten, die Arbeitgeber verpflichten, die Arbeitszeiten ihrer Arbeitnehmer systematisch zu erfassen, sagt Arbeitsrechtler Torsten W. Viebahn von STRICK Rechtsanwälte & Steuerberater aus Kleve. „Das Urteil muss also erst noch von den nationalen Gesetzgebern umgesetzt werden.“ Das könnte aber schnell passieren, denkt er. „Natürlich, weil die Richtlinien sehr klar sind.“

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Extrakosten

Außerdem gebe es in Deutschland bereits solche Verpflichtungen, sagt Viebahn. „Für Niedriglohnjobs (Minijobs) und Zeitarbeit in Deutschland ist dies bereits notwendig. Künftig gilt dies also für alle Beschäftigten.“ Wie das genau aussehen wird, bleibt abzuwarten. „Gibt es hier digitale Systeme und welche Vorgaben bringt der deutsche Arbeitgeber mit? Diese Fragen sind noch offen.“

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Auf die Arbeitgeber werde in jedem Fall ein erheblicher zusätzlicher Verwaltungsaufwand und damit mehr Kosten zukommen, so der Anwalt. „Es wird auch erwartet, dass dies den Mitarbeitern die Geltendmachung von Überstundenvergütung erleichtern wird.“