In Zeiten des Brexit sucht die deutsche Industrie verstärkt Kooperationen mit den Niederlanden

VNO-NCW Midden und WTC Twente organisieren am 25. September den dritten Industry Day Germany von GO4EXPORT. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland wächst das Bewusstsein, dass die Zusammenarbeit zwischen Nachbarländern wichtiger denn je ist, da sich die politische und wirtschaftliche Lage der Welt schnell ändern kann. Einer der Referenten ist Sebastian van Deel von der IHK Nord Westfalen. Er erklärt, warum seine Region noch enger mit der niederländischen Wirtschaft zusammenarbeiten muss und wie dies möglich ist.

Mit 7.000 Quadratkilometern ist die IHK Nord Westfalen eine der flächenmäßig größten Handelskammern in Deutschland. Von Ibbenbüren über das Münsterland bis Gelsenkirchen grenzt die Region 108 Kilometer an die Niederlande, sagt Van Deel, der trotz seines niederländisch klingenden Nachnamens noch keine direkten niederländischen Vorfahren identifizieren konnte. Er will jedoch die Verbindungen zwischen nordwestfälischen Unternehmen und der niederländischen Wirtschaft stärken.

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Nord Westfalen stark in der Breite

Bevor er erklärt, warum ihm das gefällt, erzählt er noch etwas mehr über die Region selbst. „Wir haben viele Maschinenbauer, wir sind stark in der Oberflächentechnik, aber auch in Chemie und Logistik.“ Der Export sei sehr wichtig, sagt er. „Trotz der sich abschwächenden Konjunktur im Ausland wachsen wir weiter.“ Auch ist Nordrhein-Westfalen nicht so konjunktursensibel wie andere Regionen in Deutschland. „Weil wir in unserer Region einen sehr breiten und gesunden Mittelstand haben.“

Das Geschäftsklima sei günstig für Niederländer, die in dieser Region eine deutsche Niederlassung eröffnen wollen, sagt Van Deel. „Gelsenkirchen zum Beispiel hat das beste Breitbandnetz in Nordrhein-Westfalen. Die Kommunen dort sind offen für neue Projekte und Wohnraum ist noch bezahlbar. Hier sind Unternehmen direkt an das Ruhrgebiet mit seinen 8 Millionen Einwohnern und seiner hervorragenden Verkehrsinfrastruktur angebunden.“

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Systematisch mit den Niederlanden arbeiten

Van Deel ist Geschäftsbereichsleiter Digitalisierung, Industrie und Internationalisierung bei der IHK Nord Westfalen. Zu seinen Aufgaben gehört die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Dazu arbeitet er eng mit der Region Münster und den regionalen Wirtschaftsförderungen zusammen. Van Deel steht in engem Kontakt mit HTSM-Botschafter Hans Brouwers vom Internationalisierungsprogramm GO4EXPORT.

Den Industrietag Deutschland in Hengelo möchte er nutzen, um aktuelle Projekte und geplante Initiativen der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit vorzustellen. „Im kommenden Jahr werden wir ein Fokusjahr in den Niederlanden veranstalten und niederländische Unternehmen zu unseren Veranstaltungen einladen, um die grenzüberschreitende Vernetzung zu stärken und neue Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen in unserer gemeinsamen Region aufzubauen.Van Deel: „Aber vieles steckt noch in den Kinderschuhen. Ein strukturierter Wirtschaftsfahrplan für das kommende Jahr, der gemeinsam mit unseren niederländischen Partnern erstellt wird, befindet sich noch in der Entwicklung. In Zukunft wird die Zusammenarbeit viel natürlicher und systematischer. Um dies zu erreichen, braucht es einen guten Plan.“

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Benachbarte Regionen haben gemeinsam großes Potenzial

„Neben dem Austausch von Produkten und Arbeitsmitteln müssen wir dem Austausch in Technik und Wissenschaft noch näher kommen. Den Universitäten geht es gut, aber es gibt noch mehr.“ Vor allem angesichts der Verschärfung der globalen Handelskonflikte und des bevorstehenden Brexits wächst der Bedarf an einem besseren Technologietransfer. „Das liegt daran, dass wir enge Nachbarn sind, aber auch, weil wir kulturell viel gemeinsam haben. Gleichzeitig sollten Sie unsere Differenzen nicht überwinden.“

Der strukturelle Versuchsansatz der Deutschen und der Niederländer passt gut zusammen. „Wir ergänzen uns gut und gerade durch die Zusammenarbeit können wir lernen, internationaler zu denken.“ Denn das fehle in Deutschland noch zu oft, stellt er fest. „Es macht Sinn, Deutschland hat einen so großen Heimatmarkt, dass viele Unternehmer nie darüber nachdenken mussten. Als Niederländer gilt es, viel schneller über die Grenze zu schauen und die Chancen des europäischen Binnenmarktes zu nutzen. Wenn Sie sehen, was in der Weltwirtschaft passiert, dann müssen wir als benachbarte oder gemeinsame Region nach mehr Zusammenarbeit suchen. Unser gemeinsames Potenzial ist enorm.“

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Industrietag Deutschland in Hengelo

Nach dem Industry Day Germany in Hengelo sieht Van Deel im kommenden Frühjahr auf dem IT-Strategiekongress in Münster eine gute Gelegenheit für Niederländer, gute Kontakte zu knüpfen. Bei der ersten Ausgabe im vergangenen Jahr mit rund 400 Teilnehmern sprachen die Deutschland-Chefs von Microsoft und Amazon Web Services. Der genaue Termin für 2020 ist noch nicht bekannt, aber eine umfassendere Beteiligung niederländischer Unternehmer wird bereits diskutiert. Van Deel: „Wir sollten uns mehr als gemeinsame internationale Region verstehen“.

Der Industry Day Germany am 25. September wird zum dritten Mal von VNO-NCW Midden und WTC Twente von GO4EXPORT organisiert. Thema ist die europäische und globale Handelspolitik in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Deutschland. Der Industrietag Deutschland startet um 15 Uhr in der Metropole Hengelo.

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Referenten sind Luisa Santos, Hans de Boer und Sebastian van Deel. Themen sind die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden, die niederländisch-deutsche Aktionsagenda, die Brexit-Auswirkungen und die Handelspolitik zwischen China und den USA sowie die Folgen für niederländische und deutsche Unternehmen.

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