Jetzt, wo die Niederlande auf Gas verzichten müssen, kommt die deutsche Bauerfahrung zum Tragen

Bis 2050 müssen niederländische Haushalte auf Gas verzichten. Das scheint noch in weiter Ferne, aber Bauerfahrene wissen, wie schnell dieser Termin näher rückt. Der niederländische Ehrgeiz sei groß, deshalb sei es besonders sinnvoll, Kenntnisse und Erfahrungen in Deutschland zu sammeln, wo die allermeisten Häuser ohne Gasanschluss gebaut werden, sagt Anouk Iuzzolino von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer. Dies ist einer der Gründe für die Ausrichtung der Building Heat Solutions² am 18. Juni in Utrecht. „Hier treffen sich niederländische und deutsche Experten.“

Es sei nicht so, dass die niederländische Baubranche keine Erfahrung mit anderen Wärmequellen als Gas habe, sagt Iuzzolino. „Aber die Aufgabe ist so groß, dass ein Kapazitätsproblem entstehen könnte.“ Deshalb ist es wichtig, die deutsche Bauwirtschaft jetzt einzubeziehen. „Die Deutschen bauen fast ausschließlich ‚all electric‘, was bei unserer Herausforderung praktisch ist.“ Im Mittelpunkt der Building Heat Solutions steht daher die Frage, wie Gebäude ohne fossile Brennstoffe beheizt werden können.

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Die Niederlande brauchen Deutschland, um das Gas abzuschalten

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen und Projektentwickler stehen vor einem großen Wandel. „Sie sind sehr neugierig, wie Sie die Kosten dieses Übergangs kontrollieren können.“ Die Beispiele aus Deutschland werden weitgehend auf die Niederlande anwendbar sein, erwartet Iuzzolino. „Natürlich ist die deutsche Bauordnung nicht überall gleich der niederländischen, aber das dreht sich meistens um Details.“

Deutsche Experten präsentieren in Utrecht ihre Innovationen, wie sie beispielsweise Wärme aus der Kanalisation ins Eigenheim übertragen oder wie Heizfolie als Tapete an die Wand gehängt wird. „Es gibt sehr schöne und vielfältige Lösungen, die sicherlich interessant für den Einsatz in neuen Wohngebieten oder Wohnprojekten sind.“

Interessant für die niederländische Öffentlichkeit ist auch, wie diese Projekte finanziert werden. „Die Ideen können so schön sein, aber am Ende sollte es möglich sein.“

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Erfahrung im ökologischen Bauen

Einer der Experten ist der Architekt Johannes Hegger von HHS Planer + Architekten aus Kassel. Seit den 1980er Jahren konzentriert sich sein Büro auf ökologisches Bauen mit Fokus auf nachhaltige Baustoffe und den Einsatz erneuerbarer Energien. „Wir arbeiten mit einem Fokus auf diese Themen, Städtebau, öffentliche und kulturelle Bauten, Bürogebäude und Wohnanlagen.“

Die Ölkrise veranlasste die drei Gründer zu der Frage, ob die Baubranche auf dem richtigen Weg sei. „Seitdem überzeugen wir unsere Kunden vom ökologischen Bauen und bieten Raum für Experimente unter anderem in Forschungsprojekten.“Sehr gute Nachrichten. Gerade durch das Setzen eines so klaren Ziels kann mehr erreicht werden.“ Der Architekt sieht in der Wärmepumpe ein wichtiges Instrument für die niederländischen Ambitionen. „Mehr als 40 % der Neubauten in Deutschland sind mittlerweile mit einer Wärmepumpe ausgestattet, oft in Kombination mit Sonnenkollektoren. Bei besonders energieeffizienten Gebäuden ist dieser Anteil sogar noch höher.“

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Dieser Antrag sei auch in den Niederlanden möglich, die Umstände seien nicht viel anders, sagt er. „Auch beim Ersatz bestehender Wärmeerzeugungsanlagen spielt die Wärmepumpe eine wichtige Rolle. In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Wärmepumpen in Deutschland um den Faktor 8 bis 18 erhöhen.“

Die Wärmepumpentechnologie sei seit Jahrzehnten erprobt und könne bei der Abkehr vom Erdgas von großem Nutzen sein, sagt er. „Die Pumpen werden in Serie gebaut, sodass Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass sie nicht funktionieren. Allerdings muss für jedes Projekt die richtige Wärmequelle (zB Luft, Erdwärme, Abwärme) ausgewählt und in der Anwendung mit Solarenergie- und Stromspeichern kombiniert werden. Durch die Zusammenführung mehrerer Gebäude zu einem Stromnetz wird zudem die Effizienz des Gesamtsystems deutlich gesteigert, meist bei geringeren Investitionskosten.“

Reduzierung der CO2-Emissionen im Wohnungsbau

Während der Building Heat Solutions² zeigt er eine Reihe von Projekten aus seinem Büro. „Dies sind alles „alles elektrische“ Lösungen mit einer Kombination aus Sonnenkollektoren und Wärmepumpen. Teilweise wird Restwärme aus der öffentlichen Kanalisation als Wärmequelle genutzt. Auch in unseren Projekten kommen vermehrt Stromspeicher in Kombination mit Ladestationen für Elektroautos zum Einsatz.“ Ein Beispiel dafür ist ein Neubauprojekt in Frankfurt mit 74 Wohnungen. „Die Waage ist autark. Oder einen Firmenparkplatz mit aktuell 100 Ladepunkten und der Option auf 600 zu erweitern.“

Hegger diskutiert gerne mit der Öffentlichkeit in Utrecht über neue und zukünftige Trends. „Wie reduzieren wir den CO2-Ausstoß im Bausektor und wie stellen wir sicher, dass die Projekte für unsere Kunden wirtschaftlich sind? Und wie können wir den Einsatz von Baustoffen effizienter und nachhaltiger gestalten? Man muss den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes betrachten, um Kosten, Energie- und Stoffströme, deren Auswirkungen auf die Umwelt und Wirtschaftlichkeit beurteilen zu können.“

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Auch für niederländische Innovationen wie das Dutch Windwheel in Rotterdam ist Platz. Duzan Doepel, van Doepel Strijkers spricht über den Bau einer nachhaltigen Ikone und diskutiert die technischen Lösungen.