Jetzt, wo sich Deutschland im Bereich Digital Health bewegt, wird es für niederländische Anbieter interessant

Als größtes Land Europas ist Deutschland automatisch der größte Markt für Digital Health. Niederländische Unternehmer, die in den letzten Jahren in Deutschland Chancen sahen, stellten fest, dass es gar nicht so einfach war, im deutschen Gesundheitswesen Fuß zu fassen. Als Senior Manager Healthcare bei Germany Trade and Invest (GTAI) führt Julia Pietsch ausländische Unternehmer in das deutsche Gesundheitswesen ein. Beim Deutschlandtag am 25. März in Utrecht erklärt sie in einem Workshop, warum in Deutschland im Bereich E-Health interessante Zeiten bevorstehen.

Der E-Health-Markt in Deutschland sei in vollem Gange, sagt sie. „Natürlich ist schon viel passiert. Der Unterschied ist, dass die Diskussion die breite Öffentlichkeit erreicht hat.“ Das sorgt für mehr Offenheit und Akzeptanz bei Patienten, Krankenhäusern und Krankenkassen, sieht Pietsch. „Das liegt natürlich daran, dass man überall den Fortschritt der Digitalisierung sieht. Und so erwarten Patienten auch, dass sich Ärzte langsam von Papierakten verabschieden und digitale Innovationen nutzen.“

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Digital Health wird zur Notwendigkeit für das deutsche Gesundheitswesen

Interessant für niederländische Unternehmer ist auch, dass sich Gesundheitsminister Jens Spahn mit großem Ehrgeiz in das Thema eingearbeitet hat. „Gesundheitswesen, Patienten und Unternehmer wollen schnell klare Regeln. Sie kommen jetzt.“ Apotheken, Institute und Ärzte, die den digitalen Weg bereits alleine eingeschlagen haben, vernetzen sich jetzt. „Man sieht, dass die unzähligen Initiativen der Digital Health langsam ihre Inseln verlassen und nun miteinander verbunden werden. Aus Theorie wird Praxis.“

Auch der Digitalisierungsbedarf steigt. Gerade in ländlichen Gebieten, wo viele Einrichtungen unter Druck stehen, wird E-Health als Lösung entdeckt. „In Deutschland sind die Entfernungen groß“, sagt Pietsch. „Zum Beispiel kann eine Online-Beratung wirklich eine Lösung sein. Wir sehen jetzt immer mehr Anbieter aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden auf den Markt.“

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In der Vergangenheit war dies für nichtdeutsche Unternehmer nicht immer einfach. Teilweise aufgrund veralteter Vorschriften, Bürokratie und undurchsichtiger Strukturen. „Das Ministerium arbeitet hart daran, die Verfahren zu vereinfachen. In den kommenden Monaten wird ein spezieller ‚Fast Track‘ eingeführt, eine Abkürzung, um die Zulassung Ihrer digitalen Anwendung oder Ihres Dienstes auf dem deutschen Markt zu erhalten.“ Das Besondere an der neuen Arbeitsweise ist, dass Sie nach der Markteinführung noch Zeit haben, den Mehrwert Ihrer App für das Gesundheitswesen unter Beweis zu stellen. „Das kann dann schon von der Versicherung erstattet werden.“

Julia Pietsch. Foto: GTA

Dank der engen Zusammenarbeit mit dem DNHK hat Pietsch in den letzten Jahren bereits viele niederländische Unternehmer geleitet.Ich habe auch großartige Lösungen für psychische digitale Gesundheit gesehen, die das Leben von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessern. Auch im Bereich der Altenpflege sehe ich viel passieren.“

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Deutsche Partner für niederländische App

Ein Beispiel ist Anne4Care von Henk Steetsel aus Zutphen. „Anne“ ist eine virtuelle Assistentin, die vor allem ältere Menschen im Alltag unterstützt. Zum Beispiel die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit einnehmen, Lieblingsmusik hören oder Videotelefonie mit Enkelkindern. „Es hilft den Menschen, länger selbstständig zu leben. Sie sind nicht mehr für jede Kleinigkeit auf die Krankenschwester angewiesen.“

Steetsel arbeitet seit 6 Jahren an ‚Anne‘. Der virtuelle Assistent komme in den Niederlanden gut an, sagt er. „Vor mehr als einem Jahr haben wir angefangen zu recherchieren, wie viel Chancen wir auf dem deutschen Markt haben.“ Dazu musste er sich erst einmal eine gute Vorstellung davon machen, wohin er sich für Partnerschaften wenden sollte. „Dafür werden wir mindestens 2 bis 3 Jahre einplanen. Wir sind aber bereits Partner in einem Projekt am Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg und arbeiten mit der Hochschule in Bochum zusammen. Das sind bereits sehr gute Schritte, um unser Netzwerk aufzubauen.“

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Er stellt fest, dass das deutsche Gesundheitswesen noch ein wenig hinter den Niederlanden zurückbleibt. „Aber wir bemerken ein großes Interesse. Wir werden jetzt von sehr ernsthaften Parteien an verschiedene Orte eingeladen.“ Er schätzt, dass die Menschen in Deutschland sehr kritisch sind. „Die Pflegeberater haben einen sehr hohen Stellenwert für den Patienten. Ich finde das einfach gut, sie stehen für ihre Leute ein.“

Gleichzeitig sieht er viele Chancen, gerade jetzt, wo auch die Regierung Schritte unternimmt. „Einsamkeit ist in Deutschland möglicherweise ein noch größeres Problem als hier. Sie geht oft mit Armut und Scham einher. Hier kann ‚Anne‘ wirklich eine Lösung bieten, indem sie die bestehende Versorgung unterstützt.“

Neues E-Health-Gesetz

Unternehmer wollen von Pietsch natürlich wissen, wie die deutsche Gesundheitsversorgung funktioniert, wie man passende Partner findet und wie man in ein Krankenhaus oder eine Versicherung einsteigt. „Bei GTAI haben wir viele dieser Basisinformationen auch auf Englisch verfügbar, wenn sich Deutsch als zu schwierig erweist. Außerdem betreiben wir viel Marktforschung und behalten die neuesten Trends im Auge.“

Beim Deutschlandtag kann sie bereits mehr über das neue digitale Gesundheitsgesetz, das Digitale Versorgungsgesetz (DVG), berichten. „Das entwickelt sich jetzt wöchentlich. Mehr über den ‚Fast Track‘ werde ich Ihnen wahrscheinlich während des Workshops erzählen können.“

Anmeldung zum Deutschlandtag 2020

Kommen Sie zur vierten Ausgabe des Deutschlandtages am Mittwoch, 25. März 2020 in die Fabrique in Utrecht. Weitere Informationen und Anmeldung..