Podcast – Bauen in Deutschland ist von Corona nicht betroffen, aber andere Probleme drohen

Während die Autoindustrie und der Maschinenbau von der Corona-Krise hart getroffen werden, boomt der Bau. Der Bau droht jedoch in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten.

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Deutschland baut also einfach weiter?

Ja, wenn Sie hier in Berlin herumlaufen, werden Sie auf den Baustellen viel Betrieb sehen. Baukräne dominieren den Horizont. Dass der Bau gut läuft, zeigen auch die Quartalszahlen, der Bau schneidet 11,6% besser ab als im Vorjahreszeitraum. Und es gab 2,2% mehr Leute, die an den Tragegurten arbeiteten.

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Warum ist es so gut?

Dies ist seit einiger Zeit ein Trend, der auf der boomenden Wirtschaft der letzten Jahre basiert. Aufgrund der Urbanisierung fehlt es in den Großstädten an Wohn- und Büroflächen. Dementsprechend wird viel gebaut. Vor allem die Schreiner sind fleißig, ihr Umsatz ist im letzten Jahr um 25 % gestiegen.

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Keine Probleme mit Corona, aber ein Mangel an Mitarbeitern

Die Corona-Krise wird also am Bau vorbeigehen?

Naja, kurzfristig. Wo viele Fabriken geschlossen wurden, konnten Bauarbeiter weitgehend weiterarbeiten. Hygiene- und Abstandsregeln sind auf der Baustelle einfacher zu organisieren als an anderen Orten.

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Sie leidet vor allem unter Problemen aus der Zeit vor der Corona-Krise, denn seit Jahren fehlt es am Bau an Fachkräften. Im vergangenen Jahr konnten 19% der Unternehmen wegen Personalmangels weniger bauen. Jetzt werden Bauarbeiter aus Osteuropa beschäftigt, aber auch niederländische Selbständige arbeiten im deutschen Baugewerbe. 2018 kamen 18% aller deutschen Bauarbeiter aus dem Ausland. Ein Rekord (vor 10 Jahren waren es 7,7%)

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Ein weiteres Risiko: Ein Viertel der Bauarbeiter in Deutschland ist 55 Jahre oder älter. Dadurch droht der Fachkräftemangel zu verschärfen.

Und wenn wir weiter in die Zukunft blicken?

Bauunternehmen machen sich schon jetzt Sorgen um die Langfristigkeit. Seit März ist die Zahl der Bestellungen um 3,4% gesunken und die Baustoffpreise sind gestiegen. Gleichzeitig gibt es noch einen Stapel Baugenehmigungen, die in den Rathäusern genehmigt werden müssen. Auch im Konjunkturpaket ist Geld für die Digitalisierung solcher Prozesse vorgesehen und der Bund übernimmt Schulden von Kommunen. Dies könnte die Bauprozesse beschleunigen und es den Kommunen ermöglichen, mehr in den Bau zu investieren.

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