Podcast – Corona-Krise zwingt deutsche Beamte zur Digitalisierung

Adresse ändern, Parkausweis beantragen: Für vieles, was man in den Niederlanden seit mindestens 10 Jahren mit wenigen Mausklicks von zu Hause aus erledigen kann, muss man in Deutschland noch ganz altmodisch zum Rathaus gehen . Ziehe eine Zahl und warte, bis du an der Reihe bist. Reservieren Sie etwas Zeit in Ihrem Kalender. Sehr oft gibt es auch eine halbherzige Zwischenform. Wo man ein Online-Formular ausfüllen kann, es dann aber noch einen Beamten gibt, der es ausdruckt und eintippt, weil bestimmte Systeme nicht miteinander verbunden sind.

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Aktuelle Umfragen bei Beamten zeigen, dass 9 von 10 Kommunen keine Digitalstrategie haben. Inzwischen arbeiten 8 von 10 Kommunen an einer Strategie. Der durchschnittliche Beamte ist etwas älter und es fehlen die frischen Ideen jüngerer Kollegen. Auch ist oft niemand benannt, der für die Digitalisierung zuständig ist.

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90% der Berliner Beamten konnten nicht zu Hause arbeiten

Welche Rolle spielt die Corona-Krise?

Schon vor der Krise war klar, dass etwas getan werden muss, aber wenn es hart auf hart kommt, passierte oft zu wenig. Corona hat nun den gesamten öffentlichen Dienst lahmgelegt. Als im März Beamte plötzlich von zu Hause aus arbeiten mussten, war dies für 90 % der 100.000.000 Berliner Beamten unmöglich. 12.000 Laptops standen ihnen zur Verfügung.

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Das Chaos dauerte mindestens einen Monat. Beamte pendelten mit USB-Sticks zwischen dem Büro und dem Homeoffice, wo sie an privaten Computern arbeiteten. Das interne Netz war von zu Hause aus nicht erreichbar. Infolgedessen konnten viele Beamte lange Zeit wenig oder gar nichts tun.

Auch telefonisch waren sie plötzlich nicht mehr erreichbar, weil nur noch über das Festnetztelefon im Büro telefoniert wurde. Es wurde zum Beispiel entdeckt, dass man Geschäfte auch per E-Mail abwickeln kann. Und Bürger müssen ihre Dokumente nicht unbedingt abholen, sondern können auch per Post verschickt werden. Beamte in Hamburg kamen sogar zu dem Schluss: Digitalisierung schadet nicht. Der CIO der Hansestadt sieht in der Corona-Krise einen zusätzlichen Schub zur Digitalisierung.

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Während aus Angst vor Cyberangriffen oft wenig offline getan wurde, scheint die Regierung jetzt besonders anfällig für Hacker zu sein.

Was tut Deutschland dagegen?

Es ist nicht überall so schlimm wie in Berlin, aber jetzt ist klar, dass deutschlandweit etwas getan werden muss. Im milliardenschweren Hilfspaket sind 3 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Regierungen reserviert. Damit können Kommunen ein Budget für die Digitalisierung beantragen. Auch ein allgemeines Login für Bürger, eine Art DigiD, wird nun in Erwägung gezogen.

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Die Corona-App zeigt, dass es auch in Deutschland schnell gehen kann. Es ist schneller als in den Niederlanden.„Corona zeigt, dass es dafür höchste Zeit ist“, sagte Minister Horst Seehofer.