Podcast ‚der Schlag‘ – Corona legt deutsche Autoindustrie lahm

Corona betrifft alle. Doch im Industrieland Deutschland hat es die Autoindustrie besonders schwer. Gerade als sich die Branche wegen des Dieselskandals neu erfindet. Der erste Teil der Podcast-Reihe De Klap.

Hören Sie den Beitrag von Derk Marseille auf BNR Nieuwsradio

Applaus für die deutsche Autoindustrie

Derk, wie groß ist der Schaden?

Enorm. In Europa wurden im April 76 % weniger Autos verkauft. Die Händler waren natürlich meistens geschlossen. Vor allem in Spanien, Italien und Großbritannien kam der Handel fast zum Erliegen. Dann war Deutschland selbst mit -60% nicht schlecht. Auch der Umsatz in Asien, den USA und Südamerika ging stark zurück. Ein Lichtblick für die deutsche Industrie war die Erholung Chinas.

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Wie wichtig ist die Autoindustrie überhaupt für Deutschland?

Ganz wichtig: Die Autohersteller sind für 4,5% des deutschen BIP verantwortlich. Dieser Anteil ist erst in den letzten zehn Jahren gewachsen. In anderen europäischen Ländern verlor die Autoindustrie an Bedeutung. Aber die für Deutschland so wichtige Branche ist damit flächendeckend betroffen.

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Das sind Zahlen von vor einigen Jahren. Inzwischen ist viel passiert.

Ja, die Autoindustrie war schon sehr besorgt wegen Corona. Nach dem Dieselskandal und den neuen europäischen Klimazielen muss die Branche vom Diesel auf Elektroautos umstellen. Allein der Verbrennungsmotor schafft mittlerweile fast eine halbe Million Arbeitsplätze. Die Umstellung auf elektrisches Fahren könnte Deutschland 100.000 Arbeitsplätze kosten.

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Was bedeutet das für die niederländische Automobilindustrie?

Die Niederlande sind in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Anbieter geworden. Sicher, weil die niederländische Automobilindustrie hervorragend auf die Unsicherheit auf dem Markt reagiert. Als Folge dieser Bewegung griffen die Niederlande immer mehr ein, mittlerweile kommen 40 % des Umsatzes aus Deutschland. Der Schmerz aus Deutschland ist also definitiv in den Niederlanden zu spüren. Aber es bietet auch Chancen. Deutsche Zulieferer konzentrieren sich oft ganz auf die Automobilindustrie. Die Niederländer beliefern oft auch mehrere Branchen. Das bedeutet, dass Sie agiler sein müssen und sich leichter anpassen können. Für Elektroautos braucht man noch leichtere Materialien, da sind wir seit Jahren sehr innovativ. Aber auch bei Halbleitern, Chips, Ladeinfrastruktur, Elektrobussen und anderen neuen Materialien haben wir dem deutschen Markt in den kommenden Jahren viel zu bieten.

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