Podcast – Kaufprämien für Dieselautos? Merkels Autolobby erwischt einen Schlag

Die deutsche Automobilindustrie ist nicht mehr die Lokomotive, die die Wirtschaft in Krisenzeiten am Laufen hält. Dieses alarmierende Fazit ziehen Ökonomen kurz vor dem Krisentreffen zwischen Bundeskanzlerin Merkel, den Ministerpräsidenten der Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie den Herstellern. Dennoch will die Kanzlerin der Autolobby keine Kaufprämien für Benzin- und Dieselautos versprechen.

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Warum tut sich die Autoindustrie mit der Corona-Krise schwerer als andere Branchen?

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle, so die Ökonomen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Schon vor dem Ausbruch wurden Milliarden in den Übergang vom Verbrennungsmotor zu Autos mit saubereren Antrieben wie Elektro und Wasserstoff investiert. Alle sind noch mitten im Wandel. Das meiste Geld wird immer noch mit SUVs verdient, während diese Politik wegen der Klimaabkommen keine Zukunft zu haben scheint.

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Dort gingen die Verkäufe während des Ausbruchs in China zurück, gefolgt von großen Störungen in der Lieferkette, die dazu führten, dass Autos nicht fertiggestellt werden konnten. Dann folgte der Ausbruch in Europa und den USA. Gleichzeitig haben viele auf die Kaufprämie gewartet, um ein neues Auto zu kaufen. Zusammengenommen ist der Rückstand so groß, dass die Hersteller nun in Schwierigkeiten geraten.

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Welche Auswirkungen hat das auf die deutsche Wirtschaft?

Viel, 823.000 Menschen arbeiten bei den Autoherstellern und den Zulieferern. Doch gerade bei diesen Zulieferern wie Continental sind Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder äußerte daher im Vorfeld dieser Beratungen seine Bedenken. Er befürchtet, dass viele Jobs wegfallen. Inzwischen werden viele Unternehmen durch Kurzarbeit über Wasser gehalten. Er will zusätzliche Unterstützung für die Hersteller.

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Wird diese Unterstützung kommen?

Nicht, wenn es an Merkel liegt. Es hat bereits angedeutet, dass die Kaufprämien für Neuwagen, die Förderung von Ladestationen und andere Hilfen ausreichen sollten. Söder hofft, sie davon zu überzeugen, dass Deutschland weitere 10 Milliarden Euro in die Forschung an Batteriezellen investieren soll. Nach heute Abend werden wir hören, ob die Autolobby erfolgreich war oder nicht.

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Merkel verärgert über Forderungen der Autolobby

Nach dem Autogipfel hallte die Enttäuschung in der Autolobby wider. Die Regierung hat keine Kaufprämien zugesagt, sondern lediglich versprochen, dies zu untersuchen. Besonders schwierig ist es für die Lieferanten. Deshalb will sich das Kabinett mit Konzepten befassen, die der Branche helfen könnten. Dazu gehören Investitionen in Ladestationen für Elektroautos oder die Forschung zum autonomen Fahren. Auf dem Tisch liegt auch der Plan, Daten von Pkw, Lkw und ÖPNV auf einer Plattform zu bündeln.“Anders ist nicht zu erklären, dass sie bereits vor dem Autogipfel angedeutet hat, dass sie in den Kaufprämien wenig gesehen hat.“