Podcast – Wie Deutschland auf rechtsextreme Netzwerke in Militär und Polizei reagiert

Neue Ermittlungen in Deutschland zeigen, dass Rechtsextreme in Polizei, Bundeswehr und sogar in eine Elite-Kommandoeinheit eingedrungen sind. Ist der Neonazismus in Deutschland auf dem Vormarsch? Bernard Hammelburg spricht darüber mit Deutschlandkorrespondent Derk Marseille über rechtsextreme Netzwerke.

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In diesem Jahr wurden mindestens vier rechtsextreme Netzwerke zusammengetrieben. Waffen werden oft bei Überfällen gefunden. Welche Arten sind das? Und wie kommen sie auf solche Ideen?

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Dies ist in der Tat eine viel extremere Form der extremen Rechten als das, was wir aus den Niederlanden kennen. Vor allem, weil einige von ihnen bereit sind, Gewalt anzuwenden. Natürlich sind es unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Hintergründen. Sie sehen zum Beispiel Unterschiede zwischen Neonazis aus Westdeutschland und Ostdeutschland. In der extremen Rechten in Westdeutschland spielt Antisemitismus eine größere Rolle, im Osten ist die Neigung zu einer Diktatur oder einem totalitären Staat wichtig. Häufige Motive sind Chauvinismus und eine feindselige Haltung gegenüber Fremden. Das Bild, Ostdeutschland wäre extremistischer, stimmt übrigens nicht, Zahlen zeigen, dass die Proportionen recht ausgeglichen sind

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Rechtsextreme Netzwerke

Wie viele Leute sind es?

Viele Extremisten treffen sich in solchen Gruppen offline oder online, um in Kontakt zu bleiben. Der Geheimdienst schätzt, dass die Hälfte von ihnen gewaltbereit ist, ein Viertel der 32.000 gelten als Neonazis.

Welche Rechtsextremisten gibt es?

Noch ein paar bekannte Namen von Gruppen: Einige Abteilungen der Partei AfD werden vom Geheimdienst aktiv verfolgt. Dazu gehören die Gruppe Der Flügel um Björn Höcke, die Jugendsektion der Bundespartei und die Ressorts Brandenburg und Thüringen. Lange Zeit stellte sich die Frage, wie man sie charakterisieren sollte. Es war deutlich zu sehen, wie diese Partei in den letzten Jahren nach rechts gerückt ist und Raum für mehr Extremismus bietet. Sie sind in allen Bundesländern vertreten.

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Wesentlich extremer und zugleich marginaler (4.500 Mitglieder) ist die NPD, in der verurteilte Neonazis aktiv sind. Sie haben auch zwei Sitze im Europäischen Parlament, weil es keine Wahlschwelle gibt. Auch kleinere Parteien wie Die Rechte und Der III sind lokal. Straße aktiv.

Die Identitäre Bewegung gibt es seit 2012, hauptsächlich online. Aber sie tauchen gelegentlich mit Flashmobs und Protesten auf. Sie geben ihr Bestes, um einen jungen und hippen Look zu haben. Sie stehen für Patriotismus, Heimat, Freiheit und Tradition und wollen eine homogene Gesellschaft. Es gibt etwa 500 bis 1.000 Mitglieder mit Niederlassungen in anderen europäischen Ländern.

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Reichsbürger erkennen Deutschland nicht als Staat an, sie berufen sich dennoch auf das Deutsche Reich. Sie machen ihren eigenen Pass, Führerschein und wollen keine Steuern zahlen.Ihre Größe wird auf 20.000 Mitglieder geschätzt. Ein großer Teil besitzt Waffen, 10 % sind auch bereit, diese zu benutzen.

Dann hast du die Kameradschaften, die viel mehr unter dem Radar operieren. Kleine lokale Netzwerke, die bereit sind, Angriffe auf Asylbewerberzentren oder mehr durchzuführen. Wenn die Polizei eine Gruppe zusammentreibt, handelt es sich oft um solche Clubs. In den letzten Jahren wurden beispielsweise der „Oldschool-Verein“ und die „Freie Kameradschaft Dresden“ festgenommen und verboten.

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Und dann gibt es noch Hooligans von lokalen Fußballvereinen, die teilweise ganz rechts stehen. Sie haben nicht viel Kontakt miteinander.

Bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen sieht man einen der Anführer Atilla Hildmann radikalisieren. Er bedroht Politiker bei Demonstrationen und verbreitet Verschwörungstheorien. Bemerkenswert ist, dass er ein Berliner Spitzenkoch veganer Restaurants ist. Bioläden haben seine Produkte aus den Regalen genommen. Unterstützung erhält Hildmann unter anderem von Schlagersänger Xavier Naidoo. Er war Coach bei The Voice of Germany.