Podcast – Wie sich der Wirecard-Skandal jetzt auf die deutsche politische Elite auswirkt

Bundesfinanzminister Olaf Scholz musste am Mittwoch dem Bundestagsausschuss (Finanzen) in einer nichtöffentlichen Sitzung erklären, warum der Staat als Regulierungsbehörde bisher nicht bei Wirecard interveniert hat. Der Milliarden-Skandal um den Finanzdienstleister aus Bayern liest sich nun wie ein Drehbuch für eine neue Netflix-Serie.

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Also wurde der Minister zur Rechenschaft gezogen. Was war seine Verteidigung?

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Das ist die Frage, auf die ‚Freund und Feind‘ gespannt warten. Jetzt sieht es nicht gut aus für ihn. Er hat bereits ein Paket von 16 Maßnahmen vorgeschlagen, um ein Wiederauftreten zu verhindern und Whistleblowern besser zuzuhören. Aber die Frage bleibt: Warum hat die Aufsichtsbehörde Bafin nicht früher eingegriffen und warum hat der Minister, der auch Kanzler-Ambitionen hat, es nicht früher zur Chefsache gemacht? Andere Parteien, aber auch SPD-Parteimitglieder, die lieber einen anderen Kanzlerkandidaten sehen würden, riechen Blut.

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Könnte ihn das auch den Kopf kosten?

Die Situation ist für ihn in der Tat äußerst prekär. Seit Februar 2019 wusste er, dass bei Wirecard nicht alles stimmte. Die Finanzaufsicht Bafin hatte damals einen Verdacht auf Marktmanipulation gemeldet und den Verdacht gegenüber der Geschäftsführung geäußert. Scholz hat, wie sich nun herausstellt, hierzu weder offengelegt noch interveniert. Die Frage ist, was seitdem hinter den Kulissen passiert ist. Auch Minister Altmaier (CDU, Wirtschaft) musste am Mittwoch vor dem Ausschuss erscheinen. Er hat schon gesagt, dass er den unteren Stein haben will. Sein Ziel ist es, die Gasse von Merkel aufzuräumen, die bei einer Handelsmission in China ein gutes Wort für Wirecard einlegte. Damit hält sich dieser Skandal an den gesamten politischen Gipfel in Deutschland.

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Wirecard entpuppt sich als beispielloser Skandal

Was wissen wir über Wirecard hinaus über den Skandal?

Wirecard musste Ende Juni 2020 Insolvenz anmelden, weil ihr 1,9 Milliarden Euro in ihrer Bilanz fehlten. Es wurde auf Konten auf den Philippinen verbucht, aber nach weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Geld nicht da war. Ein Mitarbeiter vor Ort wurde bestochen, um die Bücher zu fälschen. Whistleblower erzählten ihre Geschichte im Februar 2019 in der Financial Times, in der sie über eine groß angelegte Schattenbuchhaltung berichteten. Sie wandten sich an die Medien, weil sie sagten, von den offiziellen Behörden nicht gehört worden zu sein. Demnach sollten mindestens 2 Manager in Deutschland dieses Zahlungskarussell kennen. Die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin verbot daraufhin den Aufkauf von Wirecard-Aktien, und die Staatsanwaltschaft leitete ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die Journalisten der Financial Times ein, anstatt die Whistleblower zu schützen.Zunächst berichtete CEO Markus Braun, dass Wirecard Opfer eines massiven Betrugs geworden sei, doch wenig später landete er selbst wegen des Verdachts der Mittäterschaft hinter Gitter.

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Wie wird es weitergehen?

Es scheint jetzt eine Handlung für eine neue Netflix-Serie zu sein. Eine Untersuchung muss nun klären, wer genau an diesem Skandal schuld ist. Was wussten die Regulierungsbehörden und Politiker all die Jahre und warum haben sie nicht früher eingegriffen? Wurden sie vor dem „Börsenliebling“ ein Auge zugedrückt? Und welche Rolle spielte Wirecard nun beim Verstecken von Asien-Manager Jan Marsalek? Er scheint eine Schlüsselfigur zu sein, vor allem jetzt, wo Chat-Gespräche aufgetaucht sind, in denen er offen über die fehlenden Milliarden und seine Kontakte zu Geheimdiensten aus verschiedenen Ländern spricht. Gerüchten zufolge versteckt er sich in Weißrussland. Kurz gesagt, das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen.

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