Über den Fast Track schnell in den deutschen E-Health-Markt einsteigen: Diese niederländischen Unternehmer kennen den Weg

Wie gelangt man mit einer digitalen Lösung innerhalb weniger Monate über Fast Track in das Erstattungssystem der deutschen Krankenkassen? Einer großen Anzahl von Unternehmern wurde während eines Online-Seminars geholfen, das von BOM Brabant, LIOF, Oost NL, GO4Export, NBSO Stuttgart und dem RVO organisiert wurde.

Die nächste Veranstaltung zum Thema eHealth in Deutschland, die die NBSO Stuttgart gemeinsam mit den Regionalentwicklungsgesellschaften BOM Brabant, LIOF Limburg, East NL Gelderland-Overijssel organisiert, findet am 23. September von 15-17 Uhr statt. Diese Online-Sitzung ist eine digitale Pitch-Veranstaltung für niederländische Unternehmen, die über eine innovative E-Health-Lösung verfügen und für deutsche Krankenversicherungen und/oder Krankenhäuser von Interesse sein könnten. Eine Jury aus Experten aus der Krankenversicherungs- und Gesundheitsbranche wählt aus, welche Unternehmen pitchen können. Scrollen Sie nach unten, um weitere Informationen zu erhalten.

Einer der Gastredner war der eHealth-Unternehmer Marco Essed, CEO von Embloom, das nun auch in Deutschland aktiv ist. Das Unternehmen bietet eine E-Health-Plattform für Psychologen und Allgemeinmediziner mit verschiedenen Anwendungen für Diagnostik, Wirkungsmessung und Online-Behandlung. Benutzer können über die Plattform Videoanrufe tätigen, chatten und Dateien austauschen. Essed hat die Erfahrung gemacht, dass es im deutschen Gesundheitswesen gar nicht so einfach ist, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Trotzdem ist er froh, das Abenteuer gewagt zu haben.

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Aufbau eines Netzwerks in Deutschland

Welchen Mehrwert hatten die ROMs und das NBSO Stuttgart für Sie?

Embloom wurde 2010 mit finanzieller Unterstützung unter anderem von LIOF, dem ROM für die Region Limburg, gegründet. LIOF war schon immer ein sehr engagierter Aktionär, der neben dem Kapital auch sein Wissen und Netzwerk einsetzt, um uns voranzubringen. In manchen Perioden habe ich fast wöchentlich Kontakt mit LIOF. 2016 werden wir den Schritt unternehmen, unsere Dienstleistungen nach Deutschland auszudehnen, wiederum mit Unterstützung von LIOF, aber auch von NBSO Stuttgart. Die NBSO hat uns unter anderem bei einem Marktscan geholfen. Wir hätten Monate gebraucht, um all diese Informationen selbst zu sammeln. Sie haben auch mehrere Kontakte zu potenziellen Geschäftspartnern in Deutschland geknüpft. Letztendlich muss man als Organisation ein eigenes Netzwerk aufbauen, aber der Anfang ist oft der schwierigste und die NBSO hat uns dabei sehr geholfen.

Wen brauchen Sie als Partner in Deutschland?

Wir haben von Anfang an den wissenschaftlichen Weg gewählt. Das kann etwas länger dauern, aber Gesundheitsdienstleister sind im Allgemeinen zurückhaltend, neue Innovationen im Gesundheitswesen einzusetzen, ohne dass wissenschaftliche Beweise dafür vorliegen, dass es tatsächlich funktioniert. Bereits vor der Eröffnung unseres Berliner Büros haben wir zahlreiche Versicherer, Hochschulen und Berufsverbände kontaktiert.Wir haben unser Unternehmen vorgestellt und viele Leute kennengelernt. Im Gespräch mit der Techniker Krankenkasse und dem Deutschen Hausärzteverband entstand eine neue Idee für eine Pilotstudie. Wir wurden einem Professor der Universität München auf die Spur gebracht, den wir kontaktierten. Es entstand eine Kooperation, an der sich die Universitäten Hamburg und Frankfurt sowie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen beteiligten. Unter Federführung der Techniker Krankenkasse haben wir einen Projektzuschuss in Höhe von 5 Millionen Euro aus dem „Innovationsfonds“ beantragt. Der gesamte Prozess dauerte mehr als 2 Jahre, aber 2018 starteten wir eine große Pilotstudie zur Online-Behandlung von Angstzuständen und Depressionen in der Allgemeinmedizin. Innerhalb von 3 Jahren sollen etwa 180 Hausärzte und 1.500 Patienten an der Studie teilgenommen haben.

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Wie finden Sie heraus, welchen Partner Sie brauchen?

Wir sind im Gesundheitswesen tätig, Sie möchten also mit Gesundheitsdienstleistern, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, aber auch verwandten Softwareanbietern sprechen, mit denen Sie eine Wertschöpfungskette gestalten können.

Wie überzeugt man einen solchen Partner?

Das hängt vom Partner ab. Eine Krankenkasse interessiert sich schnell für Ihr Produkt, wenn Sie die Kostenersparnis aufzeigen. Eine Universität veröffentlicht gerne, daher ist sie immer auf der Suche nach interessanten Studien. Und Pflegekräfte wollen entlastet und gut versorgt werden. Dies zu wissen bedeutet nicht, dass neue Aufgaben von selbst einfließen. Die Deutschen sind mit E-Health noch nicht sehr vertraut und es gibt keine oder nur geringe Entschädigungen durch den Versicherer. Sie müssen sich also auf die Early Adopters verlassen. Andererseits zeigt die Projektstudie, dass die Deutschen großen Innovationsprojekten nicht abgeneigt sind.

Was sind Ihre eigenen Ziele für die nächsten Jahre? Welche Chancen sehen Sie?

In den kommenden Jahren wollen wir uns an weiteren Projektstudien beteiligen, unser Partnernetzwerk erweitern und weitere Gesundheitsdienstleister an uns binden. Sie merken, dass E-Health immer lebendiger wird. Gesetze und Verordnungen werden geändert und E-Health wird erstattet. Deutsche Gesundheitseinrichtungen sind offen für Kooperationen mit niederländischen E-Health-Anbietern.

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Der Fast Track konzentriert sich auf digitale Lösungen für Patienten, Sie haben hauptsächlich B2B-Lösungen. Denken Sie jetzt auch darüber nach, B2C-Lösungen zu entwickeln?

Nein, nicht kurzfristig. B2C ist wirklich eine andere Sportart. Ein Hausarzt kann übrigens ganz einfach eines unserer Behandlungsprogramme verschreiben und auch für einen Patienten vorbereiten. Der Fast Track gilt auch für unsere Produkte.

Durchbruch für Healthcare-Animationen in Deutschland

Es dauerte auch eine Weile, bis die niederländische Healthcare Animations auf dem deutschen Markt aktiv wurde, sagt der internationale Entwicklungsleiter Tijn Rademakers.Die ersten Schritte wurden über den Oranje Handelsmissiefonds, einen Business Partner Scan des NBSO Stuttgart und die Teilnahme an der DMEA Messe in Berlin gemacht. So können wir ein Jahr später die ersten konkreten Schritte auf dem deutschen Markt machen.“

Gesundheitsanimationen bieten Lösungen für das Problem, dass Patienten die Informationen, die sie von Ärzten und Apothekern erhalten, oft nicht verstehen. „Wir bieten Informationsunterstützung in der Apotheke und beim Patienten zu Hause. In der Apotheke gibt es für jedes Medikament eine Reihe von – teilweise beweglichen – Icons, die die Erklärung unterstützen. Und für die häusliche Situation bieten wir KIJKsluiter/WATCHyourmeds/BeipackCLIP an. Bei der Abholung der Medikamente bekommt der Patient einen Link nach Hause geschickt, mit dem er ein Animationsvideo sehen kann, das die wichtigsten Informationen aus der Packungsbeilage seines Medikaments in verständlicher Sprache erklärt.“

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Der Patient kann auch die KIJKsluiter-App herunterladen, um Zugriff auf die gesamte Datenbank mit KIJKsluiter-Videos und zusätzliche Funktionen zur Unterstützung der ordnungsgemäßen Verwendung von Medikamenten zu erhalten. Eine Lösung, die sich in den Niederlanden mit einer Datenbank von 8.000 Videos und Verbreitung durch mehr als 90 % aller Apotheken bereits durchsetzt, in Deutschland jedoch zunächst zögerlich reagierte. „Die Krankenkassen fanden es oft interessant. Aber danach blieb es oft ein bisschen. Ich hatte auch den Eindruck, dass sie das lieber von deutschen Parteien machen lassen.“

Fast Track bietet Chancen

Aber auch in Deutschland ist jetzt Bewegung. Nicht nur über das neue Gesundheitsgesetz, das die digitale Versorgung anregt, sondern auch deutsche Partner arbeiten jetzt mit den Niederländern zusammen. „Wir werden ein Proof-of-Concept-Projekt in 100 Apotheken in 4 Bundesländern durchführen. Es beginnt bei Diabetespatienten. Der Apotheker nimmt sie für eine strukturierte Erklärung zur Seite und schickt ihnen einen Link mit einem oder mehreren KIJKsluiter-Videos. Nach einigen Monaten analysieren wir die Zufriedenheit und die Wirkung bei Patienten und Apothekern. Unser Ziel ist es, dass Apotheker ihren Patienten noch besser bei der Anwendung ihrer Medikamente helfen und die Behandlung erfolgreicher ist.“

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Was Rademakers den Einstieg erschwerte, ist die Position des Unternehmens. „Da sich die Gesundheitssysteme von Land zu Land unterscheiden, ist auch unklar, wer KIJKsluiter und die anderen Dienstleistungen bezahlen wird. In Deutschland sind das – ebenso wie in den Niederlanden – wahrscheinlich Apotheker und Krankenkassen. Nach Abschluss des ersten Projekts mit den 100 Apotheken werden wir dies mit allen Stakeholdern besprechen. Und wir informieren parallel auch Hausärzte und Krankenhäuser.“

Dabei stellte er fest, dass man an viele Dinge anders herangehen muss als in den Niederlanden. „Sie haben eine andere Situation. Sie haben zum Beispiel allein in Nordrhein-Westfalen etwa 4.000 Apotheken im Vergleich zu 2.000 in den Niederlanden.Wenn das gelingt, schauen wir weiter.“ Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit einem guten deutschen Partner. „Als Ausländer muss man sich noch beweisen. Das ist am bequemsten durch jemanden aus dem Land selbst.“

Digitales Pitchen in Deutschland am 23. September

Die nächste Veranstaltung zum Thema eHealth in Deutschland, die die NBSO Stuttgart gemeinsam mit den Regionalentwicklungsgesellschaften BOM Brabant, LIOF Limburg, East NL Gelderland-Overijssel organisiert, findet am 23. September von 15-17 Uhr statt. Diese Online-Sitzung ist eine digitale Pitch-Veranstaltung für niederländische Unternehmen, die über eine innovative E-Health-Lösung verfügen und für deutsche Krankenkassen und/oder Krankenhäuser von Interesse sein könnten. Eine Jury aus Experten aus der Krankenversicherungs- und Gesundheitsbranche wählt aus, welche Unternehmen pitchen können.

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  • Frau Dr. Gonschor, Leitung Neue Versorgungsangebote SiemensBetriebskrankenkasse (SBK)
  • Herr Dr. Waldschmitt, Beauftragter des Vorstands für Strategie, Digitale Innovation, Politik, BundesInnungskrankenkasse Gesundheit (BIG direkt gesund)
  • Herr Kleemann, Leiter der Abteilung Informationstechnologie, Klinikum Ingolstadt
  • Herr Kerle, Kaufmännischer Direktor I Universitätsklinikum des Saarlandes

Die Pitch-Veranstaltung steht nur den sechs von der Jury ausgewählten Unternehmen offen. Sie können sich bis zum 28. August 2020 für die Veranstaltung qualifizieren, indem Sie Ihren Pitch an info@nbso-stuttgart.de z. Hd. Agaath Hulzebos senden. Der Pitch, vorzugsweise in deutscher Sprache, kann in Form einer PowerPoint (max. 4 Folien), eines Videos (max. 2 Minuten) oder eines A4-Textes eingereicht werden.

Die Veranstaltungssprache ist Deutsch. Die Pitches können optional auf Englisch gehalten werden. Stellplätze, die die oben genannten Anforderungen nicht erfüllen oder unvollständig sind, werden nicht berücksichtigt.