Warum niederländische Zulieferer dieses Jahr deutlich seltener auf der IAA zu finden sind

Waren die niederländischen Zulieferer 2017 noch mit einem großen Holland High-Tech-Pavillon auf der IAA, ist das Interesse aus den Niederlanden in diesem Jahr deutlich geringer. Das heißt nicht, dass es überhaupt schlecht läuft, sagt Direktor Leo Kusters vom Fachverband der Zulieferer der Automobilindustrie -RAI Automotive NL – Deutschlandnachrichten. „Wir erzielen immer noch über 40 % unseres Umsatzes aus Deutschland.“

Die IAA sei aber auch eine echte Verbrauchermesse, und dieser Teil sei für die Anbieter nicht sehr interessant, sagt Kusters. „Wir sehen deutlich mehr Interesse an kleineren, oft bilateralen Tech-Events im Innovationszentrum einer großen Automarke. Davon profitiert man sofort.“ Auch viele Automarken selbst ignorieren die große Messe oft. „Sehr spezialisierte kleinere Messen zu einem Thema wie autonomes Fahren oder elektrisches Fahren sind eigentlich sehr erfolgreich.“

Der Übergang der deutschen Automobilindustrie bietet Chancen für die niederländische Automobilindustrie

Rund um die IAA gibt es viele Diskussionen über die Zukunft der Autoindustrie, die für Deutschland sehr wichtig ist. Wann wird auf Elektro umgestellt, sind andere Antriebe möglich und warum werden so viele SUVs verkauft? Die Verunsicherung aus Deutschland spiegelt sich sicherlich nicht nur negativ auf den niederländischen Automobilsektor wider, sagt Kusters. „Viel Bewegung im Markt bietet auch Chancen, gerade für innovative Top-Unternehmen. Denn bei einem sehr stabilen Markt ist es schwierig, in die Produktionskette einzugreifen. Die neuen Trends in Deutschland bieten viele Chancen für die Niederlande, denn die Niederlande gehören sicherlich zu den innovativen Spitzenreitern.“

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Die Niederländer hätten viel zu bieten, sagt Kusters. „Deutsche Zulieferer konzentrieren sich oft ganz auf die Automobilindustrie. Die Niederländer beliefern oft auch mehrere Sektoren.“ Dadurch muss man agiler sein und kann sich leichter anpassen, stellt er fest. „Für Elektroautos braucht man noch leichtere Materialien, und in diesem Bereich sind wir seit Jahren sehr innovativ. Aber auch bei Halbleitern, Chips, Ladeinfrastruktur, Elektrobussen und anderen neuen Materialien haben wir dem deutschen Markt in den kommenden Jahren viel zu bieten.“

Deutsche Hersteller verkaufen mittlerweile hauptsächlich SUVs

Wer diese Woche auf der Automesse IAA in Frankfurt teilnimmt, kann sich nur vorstellen, dass ganz Deutschland auf Elektroautos warm wird. Doch die jüngsten Verkaufszahlen zeigen ein ganz anderes Bild, schreibt der ehemalige Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart in seinem Newsletter am Donnerstagmorgen. „BMW meldete diese Woche einen Verkaufsrekord: Fast die Hälfte der im August verkauften Autos sind SUVs mit einem Gewicht von 2 Tonnen oder mehr. Wie der BMW X3 und der BMW X5. Letzteres Modell hat mehr als 340 PS.Im August waren das 7 % weniger als im Vorjahr.“

Auf den deutschen Straßen sei es ohnehin viel geschäftiger geworden, schreibt Steingart. „Zwischen 1995 und 2017 ist der Verkehr um 18 % gestiegen.“ Der deutsche Autofahrer fährt nicht nur immer öfter, sondern auch größer. „Die Zahl der neu zugelassenen SUVs und Geländewagen in Deutschland hat sich seit 2013 mehr als verdoppelt.“

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Auch mit den neuesten VW-Dieseln betrogen?

Die deutsche Autoindustrie wird nicht gerade im positiven Licht gesehen. Dieselgate ist noch nicht abgeschlossen. Der SWR teilte am Mittwoch mit, dass die neuesten Volkswagen-Dieselmotoren mit Euro-6-Abgasnorm auch eine Software eingebaut haben, die erkennt, ob das Auto auf dem Prüfstand getestet wird. Dadurch wirkt das Auto im Labor sauberer als auf der Straße.

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Das Unbehagen über so etwas wird auf der IAA deutlich, wo Umweltgruppen draußen protestieren. Traditionell darf der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann zur Eröffnung der Messe etwas sagen. Doch die Organisation fand seinen Textentwurf zu kritisch und strich ihn aus dem Programm. „Die Botschaft dieser nicht gehaltenen Rede ist in Frankfurt laut und deutlich“, schreibt T-Online.de.

Ablaufdatum IAA in Sicht

Die Messe nähert sich ohnehin ihrem Verfallsdatum, so E-Mobility-Experte Henk Meiborg in der letzten Ausgabe 2017. Nun fragt sich auch das Handelsblatt, wie lange die IAA noch eine Existenzberechtigung hat. „Das liegt weniger an den ausstellenden Autoherstellern, die immer weniger Platz für immer mehr Geld buchen. Das liegt eher daran, dass das Auto immer mehr zu einem rollenden Computer wird, bei dem Algorithmen wichtiger werden als der Motorrhythmus.“ Das bedeutet, dass Automarken ihre neuen Modelle lieber woanders präsentieren. „Wie bei einem Mobilitätsevent in Köln oder Berlin oder auch rund um die Olympischen Spiele.“

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Die Autolobby des VDA und die größten Mitglieder haben daher viele Kopfschmerzen auf der Agenda, schreibt die Zeitung. „BMW Finanzvorstand Nicolas Peter sagt schon offen, dass es für die IAA keine Existenzgarantie mehr gibt.“ Der niederländische Autoverband RAI organisierte 2017 einen großen Holland Tech-Pavillon, scheitert aber auch in diesem Jahr. Sie passte nach Angaben eines Sprechers nicht gut in die Agenda und auf anderen Messen wie in Genf gibt es viele Gelegenheiten.

Eine ähnliche Frage stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): Ist dies die letzte IAA? „Normalerweise wäre der Mietvertrag für die nächste Auflage längst unterschrieben. Das ist noch nicht passiert.“ Die Zeitung sieht auch, dass die Hersteller zunehmend an andere Plattformen glauben, von den 34 großen Automarken werden in diesem Jahr nur 19 in Deutschland auf der Messe sein.Diese Ausgabe sind 11 Tage Wahrheit für ‚Autoland Deutschland‘.

Während in den Niederlanden noch immer mindestens 40.000 Schummel-Diesel unterwegs sind, kündigte Top-Lobbyist Bernhard Mattes von der VDA-Autoindustrie seinen Rücktritt an.

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Und so denkt der ehemalige Opel-Chef darüber:

Es ist offensichtlich, also sagen wir es explizit: Die #IAA2019 ist ein großer Misserfolg. Es ist nur ein trauriger Schatten dessen, was es einmal war. Es wird keine #IAA2021 geben. Ende der Geschichte. KTN

Verbrennungsmotor nicht abschreiben

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer beteiligte sich mit einer Gastkolumne in der Welt an der Diskussion. Auf den Verbrennungsmotor will er keinesfalls verzichten. Er nennt es „deutsch vernunft“:

„Würden wir den Verbrennungsmotor komplett verbiden, in vorhanden wir eine Technologie auf, der wir weltweit führend sind. … Wer, wenn nicht wir, hat das Know-how, diese Technologie weiterzuentwickeln?“

Updates von der IAA:

Die @BNR Nationale Auto Show ist auf dem Weg zur IAA in Frankfurt! Naja, @wouterkarssen isst schon das Schnitzel. Was wird das Highlight sein? @MeindertSchut wirft mit @noudb schon einen Ball auf die Autobahn.#IAA #ikhoorbijBNR pic.twitter.com/6CaOcqtY55

Vokswagen ID 3 das wichtigste Auto für Volkswagen nach Käfer und Golf, was heute bekannt ist; Kleinste Version knapp 30K, mittlere Version ist die Basis für die Erstauflage, Top-Version kommt später. #tensecondvideoclips #spectales #IAA2019 #em…https://t.co/QLTol5eILn