Wie diese Startups das Gesundheitswesen in den Niederlanden und in Deutschland bezahlbar halten wollen

In den Niederlanden hört man oft von der immer teurer werdenden Gesundheitsversorgung. In Deutschland sind die Probleme noch größer. Bürokratie, fehlende Digitalisierung, Regulierungsdruck und eine alternde Bevölkerung scheinen die Sache nur noch schlimmer zu machen. Während der Dutch Digital Health Night in der niederländischen Botschaft in Berlin präsentierten niederländische und deutsche Startups ihre Idee, das Gesundheitswesen bezahlbar zu halten und den Patienten über den digitalen Weg wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. NBSO Stuttgart brachte die Teilnehmer zusammen.

Ein gutes Beispiel ist das Berliner Startup Selfapy, das sowohl von der Jury als auch von der Öffentlichkeit zum Gewinner der Dutch Digital Health Night 2019 gekürt wurde. CEO Nora Blum ist Psychologin und stellte fest, dass viele Menschen sehr lange auf der Warteliste standen, bevor ihnen geholfen werden konnte. „Mit Selfapy wird Ihnen bereits auf Ihrem Weg online geholfen. Die Leute sind wirklich überrascht, dass sie oft noch am selben Tag zur Arbeit kommen können.“

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Deutsches Gesundheitswesen, genau wie in den Niederlanden, zunehmend digital

Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hinkt Deutschland den Niederlanden noch hinterher. Aber im Moment ändert sich viel, sagt Blum. „Anfangs gab es auch unter Kollegen eine gewisse Skepsis gegenüber unseren Online-Therapien. Auch logisch, denn es ist nicht etwas, was Sie einfach tun. Aber jetzt, wo viele Menschen die positiven Konsequenzen sehen, ändert sich das. Immer mehr Krankenkassen erstatten auch die Online-Therapie. Vor allem, weil dies bedeutet, dass Menschen weniger schnell aufgenommen werden müssen.“

Auch CEO und Gründer Peter Krol von der niederländischen Medify merkt diesen Trend. Mit seiner Software bringt er den gesamten Informationsprozess rund um die medizinische Behandlung online und macht ihn für alle Beteiligten transparenter. „Dadurch müssen Patienten seltener zum Arzt. Das spart viel Kosten und Reisezeit.“ Und wenn Arzt und Patient noch miteinander reden, ist die Qualität viel höher. „Der Patient ist besser informiert und kann daher viel gezielter Fragen stellen.“

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Medify läuft in immer mehr niederländischen Gesundheitseinrichtungen und hat nun auch den Umzug nach Deutschland vollzogen. Das sei nicht immer einfach, stellt Krol fest. „Die Deutschen sagen oft: Ich kann das Gesetz nicht ändern, also bleibt es so.“ Er sieht aber auch immer mehr Bewegung. „Es geht in die gleiche Richtung wie die Niederlande.“

Ein gutes Beispiel für die wachsende Rolle von eHealth in Deutschland ist Recare aus Berlin. Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, die über einen Algorithmus Kliniken mit der Nachsorge verbindet. Das mache die Organisation viel reibungsloser, sagt Paula Purps im Namen des Startups. „Wir sind jetzt in 80 Krankenhäusern tätig, die wir mit 6.000 Fachleuten verbinden.“

Mehr Patientenorientierung dank Digitalisierung

Dank der Digitalisierung der Versorgung hat der Patient immer mehr Ressourcen in der Hand.So hat etwa der Berliner Apotheker Maximilian Wilke herausgefunden, dass viele Allergiker mit bestimmten Medikamenten ernsthafte Probleme haben. „Vor allem, weil es sehr schwierig war herauszufinden, was genau in welchem ​​Medikament steckt.“

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Wilke begann daher selbst eine App zu entwickeln, um alle Informationen zusammenzuführen. „Mit ‚Whatsin my meds‘ kannst du herausfinden, was drin ist. So lösen wir ein Problem für Millionen von Menschen.

Verdienstmodell muss stimmen

Da in den Niederlanden mehr Erfahrungen mit eHealth gesammelt wurden, prüfen viele Unternehmen die Möglichkeiten in Deutschland. Auch Enovation von Capelle aan den IJssel. Für sie recherchiert Sven Walraven seit anderthalb Jahren den deutschen Markt. „Das funktioniert anders als in den Niederlanden, man muss das System gut kennen lernen. Vieles ist sehr politisch.“

Ein wesentlicher Grund, warum bestimmte Systeme in Deutschland noch nicht implementiert sind, liegt laut Walraven in den unterschiedlichen Erlösmodellen. „Es muss auch bezahlt werden. Wir liefern zum Beispiel Software für Heimmessungen. Das spart Krankenhäusern in den Niederlanden viel Geld. Aber ein deutscher Arzt wird pro Besuch bezahlt und wartet daher nicht auf eine Software, die dafür sorgt, dass weniger Patienten zu Besuch kommen.“

Trotzdem sieht Walraven, dass in Deutschland immer mehr passiert. „In den Niederlanden haben wir aufgrund unserer kleinen Größe erkannt, dass eine bessere Zusammenarbeit notwendig ist, um voranzukommen. Das geht jetzt auch in Deutschland los, wenn auch langsam.“

Dies ist einer der Gründe, warum die Niederlande eine Zusammenarbeit mit Deutschland suchen, so dass auch Ron Roozendaal, Direktor für Informationspolitik im Ministerium für Gesundheit, Soziales und Sport, Deutschland besuchte. Er hatte Termine im deutschen Ministerium. „Wir müssen zusammenarbeiten, Pflege hört nicht an der Grenze auf. Deshalb müssen wir unsere Politik abstimmen und uns darauf einigen, wie die Standards aussehen.“

Niederländische Digitale Gesundheitsnacht 2019

Lesen Sie hier, welche Startups sich während der Dutch Digital Health Night 2019 in Berlin präsentiert haben

Diese Startups werden auf der Dutch Digital Health Night 2019 pitchen.